Schriftsteller im Exil 1939

Am 01.September jährte es sich zum 75.mal, dass die deutsche Wehrmacht Polen überfiel.
Gelegenheit und Anlass genug, auf die deutsche Literaturszene zu der Zeit einen Blick zu werfen.
Der Expressionismus hatte seinen Schwung längst verloren, man war von den Höhen rauschender Metaphern auf die Straße hinabgestiegen.
Die Alltagswelt sollte gezeigt werden, das Leben nach dem Ersten Großen Krieg.
Es bildete sich für dieses Bestreben der Begriff „Neue Sachlichkeit“ heraus. Zuerst in der Bildenden Kunst ( George Grosz , Otto Dix), dann in der Literatur.
Lion Feuchtwanger sagte 1927:  Don Juan in seinen endlosen Varianten hat abgewirtschaftet, an seine Stelle tritt der kämpfende Mensch, Politiker, Sportler, Geschäftsmann.“ 397px-Feuchtwanger_Moskau_1937
Den Schreiber und den Leser fesselt die Gestaltung des unmittelbar Greifbaren: Sitten und Gebräuche des heraufkommenden Proletariats, die Institutionen Amerikas, Fabriken, Konzerne, Autos, Sport, Petroleum, Sowjetrussland..
Solche Prinzipien machte sich auch das Drama der 20er bis 30er Jahre zu eigen. Im Begleittext zu Trommeln in der Nacht empfahl Bertold Brecht, während der Aufführung ein Plakat auszuhängen mit dem Hinweis: GLOTZT NICHT SO ROMANTISCH!
Brechts „Dreigroschenroman“ konnte schon nicht mehr in Deutschland veröffentlicht werden.
Viele Schriftsteller waren bereits im Exil.
Ernst Toller hatte sich am 22. Mai 1939 in New York umgebracht.
Joseph Roth war in Paris 9 Tage später gestorben.
Es gibt eine Liste. Herausgegeben vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda,auch Reichschrifttumskammer genannt. Wer Interesse hat, kann sie hier nachlesen:          Liste der verbotenen und verfolgten Autoren 1938.

Interessant und überraschend war für mich die Tatsache, dass es zwischen 1920 und 1935 in Deutschland reichlich übersetzte russische und amerikanische Literatur zu lesen gab, z.B.
von Ilja Ehrenburg und Upton Sinclair.
Wer Lesestoff sucht über die Verhältnisse in Deutschland nach dem 1.Weltkrieg:
Lion Feuchtwanger: Erfolg
Leonhard Frank: Von 3 Millionen drei