Arno Schmidt: Die aschengrube Welt


Aus dem Leben eines Fauns

Literatur muss Spaß machen und beim Wiederlesen sind die Erzählungen und insbesondere die frühen(Kurz-)Romane Arno Schmidts stets Quelle neuer Entdeckungen und ob seines ungebändigten Wortwitzes auch eine helle Freude.

Arno Schmidt, geboren 1914 in Hamburg, gestorben  1979 in Celle, der Außenseiter noch der literarischen Außenseiter gilt gemeinhin ja als schwierig, eine Menge von Exegeten ist mit seinem Werk, insbesondere dem legendären Text ZETTELS TRAUM befasst und nicht selten wird er auch der deutsche Joyce genannt, alles etwas vorschnell dahingesagt, oft werden in der Literaturkritik -wenns Ungewohntes zu beurteilen gilt- die Namen Joyce und gerne auch Kafka aus der Schublade geholt. Nein. Ich halte Schmidts Stil und Formgebung seiner Texte für so einzigartig, dass man allgemein gehaltene Vergleiche mit anderen Autoren seiner Zeit kaum anstellen kann.Weiterlesen »

Jens Wonneberger: Die Geschichten liegen auf der Straße

 

Jens Wonneberger, Jahrgang 1960, in Sachsen aufgewachsen, in Dresden lebend, ist mir schon öfter in Feuilletons begegnet. Jetzt habe ich seinen 2014 erschienen kurzen Roman Goetheallee gelesen und es scheint mir angebracht, ein paar Sätze zu meiner Lektüre anzufügen.

Jens Wonneberger
Jens Wonneberger, Quelle: müry Salzmann Verlag

Ein richtig muffiges,  spießiges Umfeld ist es, mit dem man ohne große Umschweife bekannt gemacht wird. Der Ich-Erzähler besucht täglich den Kiosk von Frau Hartmann, um sich seine Zeitung und Zigaretten zu holen. Meist trifft er auch auf den Hausmeister Wehofsky –in dessen Fängen sich die Wohnanlage befindet- der sich als herausgehobene moralische Autorität fühlt. Der schreibende Erzähler hat sich gerade mit der Imagebroschüre der Touristikzentrale herumgequältwährend seine Frau Sabine als Fallmanagerin im Jobcenter arbeitet. Den Schreibauftrag  hat ihm seine Frau verschafft, denn sie versteht sich auf Motivation, also packte ich zuZum Glück gibt es den Vorstadt-Filz, denn Sabine isst auch gelegentlich mit der Touristik-Mitarbeiterin zu Mittag, das kann nicht schaden. Der sensible  Erzähler-Autor-Freiberufler hat Minderwertigkeitsgefühle und hasst sich selbst dafür, solche Auftragsarbeiten annehmen zu müssen… Sabine ist die Dominante, mir ist das recht, manchmal habe ich sogar das Gefühl , sie lebt nur deshalb mit mir zusammen, weil ich als stiller Teilhaber unserer Ehe der Entfaltung ihres Initiativgeistes so wenig Widerstand entgegensetze und zufrieden bin, wenn sie mich an die Hand nimmt, wie einen ihrer Fälle in der Agentur.Weiterlesen »

Guillermo Martinez: Roderers Eröffnung

 

Dieser kurze Roman des Argentiniers  Guillermo Martinez (Jhg. 1962)erschien, obwohl bereits 1992 im Original veröffentlicht,  in deutscher Übersetzung erst 2010, als Argentinien Gastland der Frankfurter Buchmesse war.

Guillermo Martinez in Miami 2014; Quelle:Wikipedia
Guillermo Martinez in Miami 2014; Quelle:Wikipedia

Der Titel führt etwas in die Irre: Von Schach handelt das Buch nur am Anfang, als der namenlose Ich-Erzähler, ein junger Mann, der Schriftsteller werden möchte,  in einer zwielichtigen Bar in Puente Viejo, einem kleineren Ort am Meer, den neu zugezogenen Gustavo Roderer trifft, mit ihm eine Partie Schach spielt und verliert. Für den Erzähler eine Demütigung, denn er ist der beste Spieler am  Ort und außerdem Jahrgangsprimus auf dem Gymnasium. Er schildert Roderer zunächst undifferenziert als unsympathischen Sonderling: Roderer hatte etwas an sich, das den geringsten körperlichen Kontakt unvorstellbar machte… Weiterlesen »