Aussenseiter-Literatur- Wiederentdeckung

Alkoholiker Drama eines Schriftstellers.

Schon 1944 erschienen und in 14 Sprachen übersetzt erlebt The Lost Weekend-die Geschichte des Alkoholikers Don Birnam– von Charles R.  Jackson derzeit eine viel bewunderte  Wiederentdeckung. Der neu von Bettina Abarbanell aus dem Amerikanischen übersetzte Roman des 1903 in Summit, New Jersey, geborenen Autors ist sein Erstlingswerk.

Cover Dörlemann Literatur-Verlag
Cover Dörlemann Literatur-Verlag

In jungen Jahren arbeitete er als Herausgeber lokaler Zeitungen und in verschiedenen Buchläden in New Jersey, Chicago und New York, bevor er an Tuberkulose erkrankte. Die Zeit von 1927-1931 verbrachte er in verschiedenen Sanatorien. In der Schweiz wurde er letzlich geheilt. Es hatte ihn einen Lungenflügel gekostet und der Kampf gegen die Krankheit hat wohl auch seine Alkoholsucht verstärkt.

Zum Höhepunkt der Großen Depression kehrte er nach New York zurück und seine Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche förderten weiter sein unmäßiges Trinken. Im Jahre 1938 heiratete er und schrieb als freier Autor vor allem Radiotexte. 1944 erschien dann Das verlorene Wochenende, wo er den fünf Tage andauernden Alkoholexzess eines Schriftstellers beschreibt.

 

Das eigene Leben und die eigenen Schmerzen bildeten die Vorlage. In einer furiosen Beschreibung nicht zu überbietender Zustandsschwankungen von Euphorie bis tiefer Verzweiflung, von stechenden Klarheit bis Umnachtung und Selbstbetrug, Jackson geht auch in der Beschreibung an Grenzen. Sentimentalität und Wehleidigkeit, wie wir sie in anderen Texten mit dieser Thematik kennen, vermeidet der Autor weitgehend.

Sein Leben lang bewunderte er F. Scott Fitzgerald, auch er Alkoholiker. Was kaum bekannt ist: Charles Jackson schrieb einen weiteren bemerkenswerten Roman: The Fall of Valor, von vielen als der erste ernstzunehmende Roman über Homosexualität erachtet. (Veröffentlicht 1946).

Charles R. Jackson blieb ein Außenseiter der Literatur-Szene und starb 1968 an einer Überdosis Seconal im berühmten Chelsea Hotel in New York.

Das Time Magazin fasste es in seiner Todesmeldung so zusammen: „Died. Charles Jackson, 65, melancholy novelist of guilt and frustration. In Manhattan.“

 

 

 

Kreatives Schreiben

Haben Sie sich schon einmal vorgestelt, alle zeitgenössischen oder zukünftigen Autoren wären Absolventen von sogenannten Kreativ-Schreibseminaren?

Die Texte wären noch eintöniger und auswechselbarer als heute schon.

Müssten wir nicht schon längst eine Fülle großer (deutscher) Erzählungen oder Romane haben,wenn man Schreiben wirklich in Seminaren lernen könnte?

Die Banalitäten und Versprechungen mancher Kursanbieter beschämen einen regelrecht.

Kann man den Erzähl-Sound eines Hemingway, Brautigan, Vonnegut, Lethem, Arno Schmidt,Walser oder Grass erlernen?

Ähnlich verhält es sich  mit sogenannten Plot-Vorgaben in den Kursen:Natürlich kann man jede längere Erzählung letztlich auf einen oder mehrere einfache Plots zurückführen. Aber: Was ist daran eigentlich kreativ, wenn ich auf vorgefertigte kompositorische Techniken oder Charakter-und Szenengestaltung zurückgreife?

Kann man die Leidenschaft in irgendeiner Form lehren, die ein Autor für sein Buch mitbringen muss?

Ich möchte auf keinen Fall jene herabsetzen oder gar schmähen, die sich ganz dem Schreiben widmen wollen.

Dass aber so viele Möchtegern-Schreibpädagogen, die  ja alle in  Akademien oder Instituten arbeiten und sich einen wissenschaftlichen Anstrich geben wollen, ernsthaft Schreibwilligen weismachen, sie könnten das Schreiben lehren, so wie man Autofahren lernt, oder Kochen, das ärgert mich.

Ich werde in diesem Blog immer wieder, nicht unbedingt todernst, auf diese Fragen zurückkommen,und auch andere Autoren zu Wort kommen lassen. Ich bin auch sehr dankbar für Erfahrungsberichte von Absolventen von Schreibkursen, ich selbst habe bisher nur Bücher zum Thema gelesen.