Kreatives Schreiben

Haben Sie sich schon einmal vorgestelt, alle zeitgenössischen oder zukünftigen Autoren wären Absolventen von sogenannten Kreativ-Schreibseminaren?

Die Texte wären noch eintöniger und auswechselbarer als heute schon.

Müssten wir nicht schon längst eine Fülle großer (deutscher) Erzählungen oder Romane haben,wenn man Schreiben wirklich in Seminaren lernen könnte?

Die Banalitäten und Versprechungen mancher Kursanbieter beschämen einen regelrecht.

Kann man den Erzähl-Sound eines Hemingway, Brautigan, Vonnegut, Lethem, Arno Schmidt,Walser oder Grass erlernen?

Ähnlich verhält es sich  mit sogenannten Plot-Vorgaben in den Kursen:Natürlich kann man jede längere Erzählung letztlich auf einen oder mehrere einfache Plots zurückführen. Aber: Was ist daran eigentlich kreativ, wenn ich auf vorgefertigte kompositorische Techniken oder Charakter-und Szenengestaltung zurückgreife?

Kann man die Leidenschaft in irgendeiner Form lehren, die ein Autor für sein Buch mitbringen muss?

Ich möchte auf keinen Fall jene herabsetzen oder gar schmähen, die sich ganz dem Schreiben widmen wollen.

Dass aber so viele Möchtegern-Schreibpädagogen, die  ja alle in  Akademien oder Instituten arbeiten und sich einen wissenschaftlichen Anstrich geben wollen, ernsthaft Schreibwilligen weismachen, sie könnten das Schreiben lehren, so wie man Autofahren lernt, oder Kochen, das ärgert mich.

Ich werde in diesem Blog immer wieder, nicht unbedingt todernst, auf diese Fragen zurückkommen,und auch andere Autoren zu Wort kommen lassen. Ich bin auch sehr dankbar für Erfahrungsberichte von Absolventen von Schreibkursen, ich selbst habe bisher nur Bücher zum Thema gelesen.

 

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5 Kommentare zu „Kreatives Schreiben

  1. Ich war wie betäubt. Brautigan war tot. Ich kannte seine Bücher noch nicht sehr lange, und es war Linus gewesen, der mich darauf gebracht hatte. Linus, der immer einen Geheimtipp auf Lager hatte. Wir liebten beide die Amerikaner. Ich lieh ihm John Steinbeck, Die Straße der Ölsardinen. Linus verliebte sich so sehr in den Roman, dass er, je länger er darin las, immer langsamer wurde, um das drohende Ende hinauszuzögern. Für die letzten beiden Seiten brauchte er zwei Monate. Jeden Abend gab er sich nur wenige Sätze. Als er das Buch zuklappte, weinte er.

    “Jetzt ist nur noch Hank übrig”, sagte ich deprimiert, und Linus nickte. Jetzt war nur noch Bukowski unter den Lebenden. Brautigan und Bukowski waren unsere Helden gewesen in einem Meer aus Scheiße. Ihre Bücher machten Mut, dass es auch anders ging. Dass es einen Versuch wert war, so zu schreiben, als hätte das Herz eine Füllerkappe. Einen Boxhandschuh. Ein Reinheitsgebot.

    Oder einfach gute Laune.

    https://glumm.wordpress.com/2014/09/26/zum-30-todestag-von-richard-brautiganunser-nordamerikanisches-herz/

    Gefällt 2 Personen

  2. Ganz toller Kommentar und eine verrückte Geschichte mit dem Linus und der Straße der Ölsardinen. Jetzt muss ich das Buch natürlich wiederlesen. Aber was heißt hier muss, ich will! Solange in dem Meer noch solche Texte schwimmen, bleiben wir noch.

    Danke für den Besuch, habe deine blogs erst kürzlich entdeckt und werde jetzt Dauergast.
    Viele Grüße
    Herbert Steib

    Gefällt 3 Personen

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